24.01.08
Ursula Tscharner:
Haben Kleingemeinden eine Zukunft?

 

Die letzte Gemeindepräsidentin von Feldis, Frau Ursula Tscharner, hat uns in ihrem Vortrag am Beispiel Feldis eindrücklich aufgezeigt, wo eine Kleingemeinde heutzutage noch frei in Ihrem Entscheidungen ist und wo sie in Verbände und anderen Organisationen mit anderen bereits eingebunden und nicht mehr fei in ihren Entscheidungen ist.

Die Probleme einer Gemeinde mit 137 Einwohnern (Stand 19.1.07) beginnt schon damit, dass gemäss Gesetz der Gemeindevorstand mit 4 Mitgliedern und 1 Präsident/Präsidentin besetzt werden muss, dazu kommen noch andere Ämter (z.B. die Baukommission). Irgendwann fehlen dann einfach die geeigneten Personen.

Frau Tscharner selbst, musste, nachdem sie in Feldis Wohnsitz nahm, der Frauenfeuerwehr beitreten, da untertags zuwenig Männer im Dorf waren, um einen Ersteinsatz mit ortskundigen Fachkräften zu gewährleisten.

Daher ist es auf den ersten Blick sicher in aller Interesse, sich mit anderen Gemeinden zu einer grösseren Einheit zusammenzuschliessen, um sich effizienter zu organisieren. Feldis fusioniert mit Trans, Scheid und Tomils zur Gemeinde Tomils.

Interessant waren die Ausführungen von Frau Tscharner zu diesem Thema, bei dem man merkte, das nicht alles was zweckmässig erscheint, auch politisch machbar ist.

 

Im Thema stecken  viel Herzblut, Emotionen und Eigeninteressen, die es zu berücksichtigen galt und gilt. Nicht zu letzt wird befürchtet, dass die zukünftige Politik von "anderen" gemacht wird, die "zu weit weg" sind, d.h. die Bürgernähe ginge verloren, wenn man für Gemeindeversammlungen oder andere Behördengänge zuerst mit dem Auto nach Tomils fahren müsse.

(Anmerkung des Verfassers: Eigentlich wie in der Privatindustrie, wenn offensichtlich zu kleine Firmen fusionieren oder von andern gekauft werden. Auf dem Papier lassen sich Fusionsgewinne immer leicht ausweisen, in der Praxis scheitert es dann daran, dass unterschiedliche Kulturen aufeinander treffen, dass die Entscheidungen nicht mehr flexibel an der Basis getroffen werden oder dass die Kunden nicht mehr optimal betreut werden, da enttäuschte Mitarbeiter innerlich gekündigt haben.
Auch die Gemeindefusion ist wirtschaftlich begründbar und aus finanziellen und operationellen Gründen wünschenswert. Die Einwohner der betroffenen Gemeinden müssen aber "abgeholt" werden, damit sie sich im neuen Gebilde wiederfinden können.)

PS: Aus den Diskussionsvoten hat man herausgehört, dass einige Domat/Emser es nicht verstanden haben, warum eine Fusion Feldis mit Domat/Ems schon früh daran gescheitert sein soll, dass die vom Gemeindevorstand Domat/Ems als Vorraussetzung angesehene Strassendirektverbindung Domat/Ems-Feldis finanziell nicht gesichert werden konnte. Man hätte sich eine breitere Diskussion in der Gemeinde Domat/Ems gewünscht, die wahrscheinlich eine Lösung gebracht hätte, da sich die Domat/Emser und die Feldiser schon seit Generationen nahe stehen. Hier sei eine Chance vertan worden, meinte einer der Domat/Emser.